Ich habe nichts anzuziehen

Veröffentlicht am 14. März 2021, von Bea Loosli

 

Wer kennt es nicht: «Per Zufall» kurz vor der Menstruation – bzw. in der 2. Zyklushälfte – könnten wir oft schreien, wenn wir vor unserem Kleiderschrank stehen. Auch wenn es dort tolle Sache drin hat. In diesem Moment haben wir das Gefühl, dass wir einfach rein gar nichts anzuziehen haben. Dieses Gefühl ist damit zu vergleichen, als ob dich ein Wasserstrom durch den Badewannenabfluss hinunterzieht. Alles dreht sich, nichts gefällt dir, du gefällst dir selbst nicht, du fühlst Selbsthass, Ohnmacht, bist machtlos und klein – alle anderen um dich herum haben keine Probleme und sind immer wunderschön und toll angezogen.

Bekommst du in dieser Phase ein Kompliment von deinem Partner oder von einer anderen Person, ist deine Reaktion meistens vernichtend und du fauchst zurück: «So ein Scheiss, das stimmt gar nicht!»

Enttäuschung über monatliches Geschenk

Das ganze Karussell ist jedoch kein Zufall, denn wie in den anderen Blogs zum Thema PMS-Syndrom bereits erklärt, sind wir in dieser Zyklusphase bzw. vor der nächsten Menstruation sehr selbstkritisch und enttäuscht von uns selber.

Was liegt dahinter? Kann es sein, dass sich diese Enttäuschung in Form der Kleider zeigt, obwohl wir unbewusst enttäuscht sind, dass in diesem Zyklus unsere Eizelle nicht befruchtet wurde? Das ist jetzt mal eine rein biologische These, auch wenn du eventuell denkst; Nein – ich will (noch oder gar) keine Kinder.

Die Biologie, dein Körper sowie diese Gefühle der Enttäuschung, welche du eventuell jeden Monat erfährst, zeigen ein ganz anderes Bild. Die Natur lässt in dir jeden Monat Eizellen heranreifen, schenkt dir im Schnitt alle 28 Tage einen Eisprung. Viele Frauen lassen dieses monatliche «Geschenk der Natur» ungenutzt verpuffen. Wir «pflanzen» uns pro Leben nur noch 0–4 Mal fort, was der Natur zu wenig ist und sie jeden Monat aufs Neue total enttäuscht.

Unbewusste Altlasten

Natürlich können diese Enttäuschung, diese Trauer und diese Wut auch einen ganz anderen Ursprung haben. Eventuell hast du in diesem Zyklus zu etwas Ja gesagt, was du jetzt in der 2. Zyklushälfte bzw. vor der Menstruation bereust und du bist unbewusst enttäuscht, dass du nicht besser für dich einstehen konntest. Oder es handelt sich um alte Trauer, Wut oder Enttäuschung, welche du noch nie in deinem Leben angeschaut und zugelassen hast. Oder du lebst im Moment eine Beziehung, welche dich weder emotional noch sexuell nährt, und du bist vor der Mens ebenfalls enttäuscht und traurig, dass du dieses Thema noch nicht in Angriff genommen oder sogar bereinigt hast.

Da wir Frauen oft 1–4 Kg in der 2. Zyklushälfte schwerer sind durch Wasserablagerungen im Gewebe, fühlen wir uns aufgedunsen. Da kann es in der Tat sein, dass wir uns in einigen unserer Lieblingskleider auf einmal nicht mehr wohlfühlen. Beobachte selbst, wie du dich pro Zyklusphase kleidest. Ich bin überzeugt, dass du ein spannendes Verhaltensmuster wahrnehmen wirst.

Frühling / Eireifung: extrovertiert, sexy, farbenfroh, körperbetont

Sommer / Eisprung: deine besten Stücke, sexy, mit Ausschnitt, Schmuck

Herbst / Abwartephase: entspannt, noch ein bisschen extrovertiert, aber langsame Tendenz in Richtung introvertiert, deine bequemsten Kleider, eher sportlich sexy.

Vor dem nächsten Winter / vor der Mens: eher introvertiert, eher Schlabber-Look, nicht so körperbetont, weniger Schmuck, weniger Ausschnitt, Rollkragenpulli-Alarm.

Kleider-Ritual

Anstatt dich selber zu verurteilen und runterzumachen, könntest du dir ein Kleider-Ritual angewöhnen, indem du dir in der ersten Zyklushälfte ein spezielles Prä-Mens-Outfit kaufst, welches dir in der eher «dunklen Zeit» des Zyklus Freude bereiten wird. Sozusagen dein persönlicher Super-Women-Prä-Mens-Schutzanzug, welcher dir Kraft verleiht, diese reflektierende Phase deines Zyklus mit möglichst viel Eigenliebe und ohne zu starken Selbsthass durchzustehen.

Wir können uns neu erfinden

Denn das Schöne am zyklischen Leben ist, dass wir jeden Monat die neue Chance bekommen, unser Leben komplett auf den Kopf zu stellen und uns in der Tat fast wieder wie neu zu erfinden. Je älter und weiser wir werden, desto mehr gelingt es uns, auf unser Herz zu hören, und zwar «egal was andere sagen».

So können wir vor der nächsten Mens immer mehr Dinge, Überzeugungen, Glaubensmuster, Menschen, Jobs, Wohnungen, Beziehungen, Themen in der Sexualität etc. transformieren und/oder loslassen lernen. Schritt für Schritt und in deinem individuellen Tempo. Wie eine Zwiebel – Schicht für Schicht bis auf das Innerste – immer mehr du selbst werden und deine innere Wahrheit stolz nach aussen tragen und sichtbar machen.

 

Bea Loosli

Gründerin & Inhaberin von Ladyplanet

Meine ungestillte Neugier dem natürlich Frau Sein im Einklang mit der Natur auf den Grund zu gehen, hat mich 2010 inspiriert, Ladyplanet ins Leben zu rufen.

Es liegt mir am Herzen, meine 19-jährige Erfahrung mit der natürlichen Verhütung sowie die Entdeckung der genialen Menstruationstassen authentisch, ohne Tabus und humorvoll mit den Frauen zu teilen. Nach so vielen Begegnungen mit Frauen empfinde ich die Themen Sexualität und Kinderwunsch als ebenfalls sehr wichtig, um auch hier tabulos Vorurteile und festgefahrene Situationen wenn möglich zum Wohl von allen aufzulösen.

Da ich lebe und liebe was ich an den öffentlichen Anlässen teile, finden immer mehr Frauen und Männer das Vertrauen zurück in die genialen Abläufe der Natur.

Kommentare zum Artikel

Noch keine Kommentare vorhanden.

Einen Kommentar schreiben