PCOS – warum wir bei Ladyplanet nicht nur auf die Hormone schauen

PCOS ist heute in aller Munde. Viele Frauen kommen zu uns, weil ihre Periode plötzlich ausbleibt, der Zyklus immer länger wird, sie mit Akne, Haarausfall oder verstärkter Körperbehaarung kämpfen oder weil sie trotz grosser Bemühungen mit ihrem Gewicht nicht weiterkommen. Oft steht irgendwann die Diagnose PCOS im Raum und damit beginnt für viele eine lange Suche nach der richtigen Lösung.

 

Was uns dabei nach über 16 Jahren Ladyplanet immer wieder auffällt: Es wird sehr schnell über Hormone gesprochen, über Insulinresistenz, über Abnehmen, Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel. Was unserer Erfahrung nach aber häufig viel zu wenig Beachtung bekommt, ist die Ernährung. Und damit meinen wir nicht einfach die klassische Frage, ob jemand „gesund“ isst.

Genau hier beginnt für uns nämlich die eigentliche Arbeit.

Gesund essen bedeutet nicht automatisch, dass der Körper gut versorgt ist

 

Viele Frauen, die zu uns kommen, sind überzeugt davon, sich gesund zu ernähren. Und meistens tun sie das nach bestem Wissen auch. Sie essen viel Gemüse, wenig Zucker, achten auf Kohlenhydrate, verzichten auf bestimmte Lebensmittel und treiben regelmässig Sport. Trotzdem bleibt die Periode aus oder die typischen Beschwerden verändern sich kaum.

 

Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn zwischen „Ich ernähre mich gesund“ und „Mein Körper bekommt das, was er im Moment wirklich braucht“ kann ein grosser Unterschied liegen.

 

Gerade Frauen mit PCOS haben häufig bereits eine lange Ernährungsgeschichte hinter sich. Sie haben Diäten ausprobiert, Kohlenhydrate reduziert, Kalorien gezählt oder Mahlzeiten ausgelassen. Manche essen über Jahre weniger, als ihr Körper eigentlich benötigen würde, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Wenn dann gleichzeitig viel Sport, beruflicher oder privater Stress und vielleicht noch schlechter Schlaf dazukommen, entsteht eine Belastung für den Körper, die wir nicht einfach ignorieren können.

 

Deshalb ist Ernährung für uns bei PCOS kein Nebenthema. Sie gehört zu den ersten Dingen, die wir uns anschauen.

 

Und es geht dabei nicht um die nächste strenge PCOS-Diät. Im Gegenteil. Wir möchten verstehen, was eine Frau tatsächlich isst, wie regelmässig sie isst, wie ihr Körper darauf reagiert und ob er überhaupt ausreichend versorgt wird.

Warum wir bei Ladyplanet auch beim Darm beginnen

 

Bei Ladyplanet betrachten wir PCOS nicht als isoliertes Problem der Eierstöcke. Der weibliche Körper funktioniert nicht in einzelnen Schubladen. Verdauung, Stoffwechsel, Nervensystem und Hormonsystem beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb interessiert uns nicht nur, wie ein einzelner Hormonwert aussieht.

 

Wir möchten wissen, wie es einer Frau insgesamt geht. Wie funktioniert ihre Verdauung? Gibt es häufig Blähungen, Verstopfung, Durchfall oder Bauchschmerzen? Gibt es Lebensmittel, nach denen sie sich regelmässig müde, aufgebläht oder unwohl fühlt? Wie sieht ihr Essalltag tatsächlich aus und nicht nur auf dem Papier?

 

Der Darm ist deshalb bei uns häufig ein Ausgangspunkt, wenn wir gemeinsam eine neue Basis schaffen möchten. Das bedeutet nicht, dass PCOS einfach „aus dem Darm kommt“. So simpel ist es nicht. Aber genauso wenig sinnvoll finden wir es, bei einem komplexen hormonellen Beschwerdebild den Verdauungstrakt und die tägliche Ernährung praktisch auszublenden.

 

Unser Körper besteht schliesslich nicht aus voneinander unabhängigen Einzelteilen.

Eine frühere Essstörung kann wichtiger sein, als vielen bewusst ist

 

Ein Thema liegt uns in diesem Zusammenhang besonders am Herzen, weil wir erleben, dass es viel zu häufig übersehen wird: eine frühere oder noch bestehende Essstörung.

 

Wenn eine Frau heute normalgewichtig ist und scheinbar normal isst, wird oft nicht mehr danach gefragt, wie ihre Ernährung vor fünf, zehn oder fünfzehn Jahren ausgesehen hat. Vielleicht gab es eine Phase mit Anorexie oder Bulimie. Vielleicht gab es Binge Eating. Vielleicht wurde über Jahre extrem kontrolliert gegessen, Kalorien gezählt oder sehr intensiv trainiert. Vielleicht würde die Frau selbst das rückblickend nicht einmal als Essstörung bezeichnen.

 

Für ihre Zyklusgeschichte kann diese Information trotzdem sehr wichtig sein.

 

Eine zu geringe Energiezufuhr und Essstörungen können die hormonelle Regulation und damit den Menstruationszyklus erheblich beeinflussen. Genau deshalb finden wir es problematisch, wenn bei Zyklusproblemen vorschnell nur über Gewichtsverlust und weitere Einschränkungen beim Essen gesprochen wird.

 

Manchmal braucht der Körper nicht weniger. Manchmal braucht er mehr.

 

Mehr Energie, mehr Nährstoffe, mehr Regelmässigkeit und vor allem weniger Kampf mit dem Essen.

 

Gerade deshalb sollte bei einem ausbleibenden Zyklus auch sauber abgeklärt werden, ob tatsächlich PCOS dahintersteckt oder ob andere Ursachen eine Rolle spielen. Nicht jede Frau ohne Periode hat automatisch PCOS.

 

Natürlich spielt auch Stress eine grosse Rolle

 

Stress ist ein weiterer wichtiger Punkt, über den wir bei Ladyplanet sprechen. Dabei denken viele zuerst an einen hektischen Job, Kinder, Termine, Beziehungsprobleme oder zu wenig Schlaf. Das gehört natürlich dazu. Stress für den Körper kann aber noch viel mehr sein.

 

Wer ständig versucht, weniger zu essen, Angst vor bestimmten Lebensmitteln entwickelt hat, sehr intensiv trainiert oder permanent mit dem eigenen Gewicht beschäftigt ist, setzt seinen Körper ebenfalls unter Druck.

 

Deshalb schauen wir Ernährung und Stress nicht getrennt voneinander an. Gerade bei Frauen, die schon lange versuchen, ihren Körper und ihren Zyklus irgendwie unter Kontrolle zu bekommen, hängen diese beiden Themen häufig eng zusammen.

Bitte lass dich von einer PCOS-Diagnose nicht entmutigen

 

Dieser Punkt ist uns ganz besonders wichtig.

 

Bitte lass dich nicht zu sehr von einer Diagnose beeinflussen und schon gar nicht von Aussagen, die dir jede Hoffnung nehmen.

 

Leider erleben wir immer wieder junge Frauen, denen bei einem möglichen oder diagnostizierten PCOS sehr früh gesagt wurde, dass es für sie später schwierig werden könnte, schwanger zu werden. Teilweise fallen solche Aussagen zu einem Zeitpunkt, an dem ein Kinderwunsch noch Jahre entfernt ist.

 

Wir finden es problematisch, einer jungen Frau eine solche Prognose mit auf den Weg zu geben. Denn was bleibt bei ihr hängen? Nicht die medizinische Einordnung, sondern der Gedanke: Mit mir stimmt etwas nicht und vielleicht kann ich niemals Kinder bekommen.

 

Diese Angst kann eine Frau jahrelang begleiten.

 

Natürlich kann PCOS die Fruchtbarkeit beeinflussen, insbesondere wenn Eisprünge selten stattfinden oder ganz ausbleiben. Aber daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass eine Frau später nicht schwanger werden kann.

 

Eine Diagnose beschreibt zunächst einmal die Situation, die wir heute sehen. Sie schreibt nicht die gesamte Zukunft einer Frau fest.

 

Genau das erleben wir auch in unserer täglichen Arbeit bei Ladyplanet. Manchmal besteht aktuell ein deutliches hormonelles Ungleichgewicht, der Zyklus ist unregelmässig oder bleibt aus und die Eierstöcke zeigen ein für PCOS typisches Bild. Das bedeutet aber nicht, dass der Körper für immer in genau diesem Zustand bleiben muss.

 

Mit den Worten „unheilbar“, „für immer“ oder „damit musst du jetzt leben“ können wir bei Ladyplanet deshalb wenig anfangen. Nicht, weil wir falsche Hoffnungen machen möchten, sondern weil der weibliche Körper wesentlich dynamischer ist, als solche endgültigen Aussagen vermuten lassen.

 

Es kann ein Weg sein. Manchmal auch ein längerer. Und natürlich können wir niemandem versprechen, wie sich ein Zyklus entwickelt oder ob und wann eine Schwangerschaft eintreten wird. Aber wir erleben seit vielen Jahren, dass häufig sehr viel mehr möglich ist, als eine Frau nach ihrer ersten Diagnose geglaubt hat.

 

Deshalb möchten wir dir vor allem eines mitgeben: Eine Diagnose kann eine wichtige Orientierung sein. Sie ist aber kein Urteil über deine Zukunft.

Eine Blutung unter der Pille bedeutet nicht, dass dein natürlicher Zyklus wieder da ist

 

Was wir ebenfalls sehr kritisch sehen, ist, wenn einer Frau bei einem ausbleibenden oder sehr unregelmässigen Zyklus einfach wieder die Pille verschrieben und ihr vermittelt wird, damit habe sie nun wieder einen regelmässigen Zyklus.

 

So einfach ist es nicht.

 

Die kombinierte Antibabypille unterdrückt in der Regel den Eisprung und greift damit gezielt in den natürlichen hormonellen Zyklus ein. Die Blutung, die während der Einnahmepause beziehungsweise der hormonfreien Tage auftritt, ist deshalb keine natürliche Menstruation nach einem vorausgegangenen Eisprung. Es handelt sich um eine sogenannte Entzugsblutung, die durch den Abfall der zugeführten Hormone ausgelöst wird.

 

Das bedeutet nicht, dass die Pille grundsätzlich schlecht ist oder bei PCOS keinen medizinischen Nutzen haben kann. Für manche Frauen ist sie eine passende und bewusst gewählte Therapie. Uns stört etwas anderes: Eine Frau sollte wissen, was die Pille macht und was sie nicht macht.

 

Wenn eine Frau wegen eines ausgebliebenen Zyklus Hilfe sucht, darf ihr unserer Meinung nach nicht der Eindruck vermittelt werden, ihr natürlicher Zyklus sei durch die regelmässige Blutung unter der Pille wiederhergestellt worden. Das ist er nicht.

 

Und genau hier beginnt für uns die entscheidende Frage: Warum findet der natürliche Zyklus beziehungsweise der Eisprung momentan nicht regelmässig statt?

 

Diese Frage möchten wir nicht einfach überdecken. Wir möchten hinschauen und verstehen, was im Körper gerade passiert.

 

Und genau diesen Unterschied sollten Frauen kennen, damit sie selbstbestimmt entscheiden können, welchen Weg sie gehen möchten.

Unser Ladyplanet-Weg bei PCOS

 

Wenn eine Frau mit einem ausgebliebenen oder sehr unregelmässigen Zyklus und klassischen PCOS-Symptomen zu uns kommt, möchten wir deshalb nicht einfach beim Symptom beginnen. Wir gehen zurück zur Basis.

 

Wir schauen uns die Ernährung und Verdauung an und sprechen über die Zyklusgeschichte, den Alltag, Stress und Schlaf. Wir möchten auch wissen, ob es in der Vergangenheit Phasen mit einer Essstörung, sehr restriktivem Essen, zahlreichen Diäten oder extrem viel Sport gegeben hat.

 

Gerade die Ernährung ist aus unserer Erfahrung der letzten 16 Jahre dabei immer wieder ein Schlüsselpunkt. Nicht im Sinne einer pauschalen PCOS-Diät, die für jede Frau gleich aussieht, sondern als sehr individueller Teil der gesamten Geschichte.

 

Dabei arbeiten wir bei Ladyplanet je nach individueller Situation auch mit unseren natürlichen Yamswurzel-Cremen und dem ImuPro-Test. Unser Ziel ist es, nicht einfach an einer einzelnen Stellschraube zu drehen, sondern zunächst eine möglichst stabile neue Grundlage zu schaffen, auf der sich der Körper wieder besser regulieren kann und der natürliche Zyklus die Chance bekommt, seinen eigenen Rhythmus wiederzufinden.

Wir sehen diese Begleitung ausdrücklich nicht als Ersatz für eine medizinische PCOS-Abklärung. Gerade wenn die Periode über längere Zeit ausbleibt, sollte immer abgeklärt werden, was tatsächlich dahintersteckt.

 

Uns ist aber genauso wichtig, dass eine Frau danach nicht mit einer Diagnose und dem Gefühl nach Hause geht, ihr Körper sei kaputt, sie müsse damit für immer leben oder sie müsse einfach noch weniger essen und noch mehr leisten.

Vielleicht müssen wir bei PCOS wieder mehr auf die Basis schauen

 

Nach über 16 Jahren Ladyplanet wissen wir, dass es selten die eine Ursache und genauso selten die eine Lösung gibt. Wir haben aber immer wieder erlebt, wie wichtig die Ernährung bei Frauen mit Zyklusproblemen sein kann und wie sehr dieses Thema teilweise unterschätzt wird.

 

Dabei geht es nicht darum, Frauen die nächste PCOS-Diät vorzusetzen.

 

Es geht darum herauszufinden, was der eigene Körper tatsächlich braucht, was er verträgt, ob er ausreichend versorgt wird und welche Geschichte er bereits hinter sich hat. Für uns gehört dazu auch der Darm, denn Verdauung und Ernährung sind nun einmal ein wesentlicher Teil unserer körperlichen Basis.

 

Vielleicht sollten wir deshalb bei PCOS nicht immer zuerst fragen, wie wir die Hormone möglichst schnell beeinflussen können. Vielleicht sollten wir häufiger damit beginnen herauszufinden, was dem Körper fehlt, was ihn belastet und was er braucht, damit wieder mehr Stabilität entstehen kann.

 

Und vielleicht sollten wir Frauen auch wieder mehr Vertrauen in ihren eigenen Körper geben.

 

Ein regelmässiger Zyklus lässt sich nicht erzwingen. Wir können auch keine Schwangerschaft versprechen und kein seriöser Mensch sollte das tun. Aber eine Diagnose bedeutet nicht automatisch, dass der heutige Zustand für immer so bleiben wird.

 

Es ist ein Weg. Und aus unserer Erfahrung ist in sehr vielen Situationen mehr möglich, als eine Frau im ersten Moment nach einer PCOS-Diagnose vielleicht glaubt.

 

Dein Körper ist nicht einfach deine Diagnose. Und deine Diagnose schreibt nicht deine Zukunft.

 

Hinweis: PCOS und ein länger ausbleibender Menstruationszyklus sollten medizinisch beziehungsweise gynäkologisch abgeklärt werden. Die beschriebenen Ansätze stellen keine Heil- oder Schwangerschaftsversprechen dar und ersetzen keine medizinische Diagnose oder Behandlung.

Portrait von Bea Loosli

Bea Loosli

Gründerin & Inhaberin von Ladyplanet

Meine ungestillte Neugier dem natürlich Frau Sein im Einklang mit der Natur auf den Grund zu gehen, hat mich 2010 inspiriert, Ladyplanet ins Leben zu rufen.

Es liegt mir am Herzen, meine 19-jährige Erfahrung mit der natürlichen Verhütung sowie die Entdeckung der genialen Menstruationstassen authentisch, ohne Tabus und humorvoll mit den Frauen zu teilen. Nach so vielen Begegnungen mit Frauen empfinde ich die Themen Sexualität und Kinderwunsch als ebenfalls sehr wichtig, um auch hier tabulos Vorurteile und festgefahrene Situationen wenn möglich zum Wohl von allen aufzulösen.

Da ich lebe und liebe was ich an den öffentlichen Anlässen teile, finden immer mehr Frauen und Männer das Vertrauen zurück in die genialen Abläufe der Natur.